Wildschafe-Wildziegen

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Schneeziege
Schneeziege in British Columbia

Wildschafe – Wildziegen

Wildschafe und Wildziegen

Teil 1 : Wildschafe

Manche Jäger durchlaufen in ihrem jägerischen Dasein eine Entwicklung wie sie bei Tierarten als Evolution zu höheren Formen in Jahrtausenden vor sich geht. Nach den Jahren üblicher Jagd erfüllen sie sich ihren Traum einer Bergjagd auf Gams und sind, falls sie an einer “echten” Gamsjagd in alpinem Gelände teilnehmen, fast immer spontan begeistert.
Die neuen Eindrücke der Bergwelt, die überwiegend als Pirsch ablaufende Jagd unter der ständigen Erwartung, hinter jedem Grat oder in jedem neuen Kar die ersehnte Gams zu finden, und auch das ungewohnte Bergen der Beute prägt viele. Sie werden dann zu mehr oder weniger “fanatischen” Bergjägern und suchen die bejagbaren Wildschafe und Wildziegen in aller Welt zu erpirschen. Der folgende Überblick soll einige Informationen über dieses Bergwild geben.
Zoologisch ist die Einordnung schwierig, die Wissenschaftler sind sich wieder einmal uneinig.
Einige, darunter der renommierte, deutschstämmige Wissenschaftler V. Geist in den USA, ordnen die Schafe und Ziegen als Unterfamilie Capriden – Caprinae – ein, die sich aus der urtümlichen Form der Ziegenantilopen entwickelten. Diese leben heute noch in der Art Goral – Nemorhaedus goral – in den Vorgebirgen des Himalaya sowie Chinas und der Art Oreamnos americanus – Schneeziege – in Nordamerika als Vertreter der Gemsenartigen – Rupicaprini.
Die Caprinae mit den Ziegen
Capra – als dem einen, und den Schafen – Ovis – als dem anderen Zweig, haben Zwischenformen wie das Mähnenschaf Nordafrikas – Ammotragus lervia , die äußerlich wie Schafe wirken, auch im Verhalten diesen überwiegend ähneln, bei Organen aber den Ziegen nahestehen.
..Anatomische Unterschiede.-.
Allgemein zeichnen sich Schafe durch Drüsen in der Leiste, vor den Augen und an allen vier Füßen aus, während sie keine Geruchsdrüse am Wedel besitzen. Der Schädel ist reichlich mit gut ausgeprägten Siebzellen durchsetzt, wahrscheinlich eine Evolution, um so besser den frontalen Aufprall der kämpfenden Widder abzupuffern.
Ziegen haben eine Geruchsdrüse am Wedel und nur wenige Arten verfügen über Zwischenzehendrüsen, die dann nur an den Vorderfüßen vorkommen.
Das Bindeglied zwischen Schafen und Ziegen, das Mähnenschaf, hat Drüsen wie Ziegen, aber das ritualisierte Kampfverhalten der Schafe.
Blauschafe sind, unschön als “Trugschafe” bezeichnet, Ziegen.
Beim Äsen wird unterschiedliche Nahrung aufgenommen, Ziegen bevorzugen Blätter und Kräuter, Schafe Gräser. Daher wirken in den trockenen Gebieten Asiens und Afrikas die Hausziegen verheerender als Hausschafe, sie lassen keinen Wald hochkommen.
Gemeinsam ist den Wildschafen und etwas weniger den Wildziegen, daß sie ziemlich sicher Farben sehen können. Durch ihre etwas astigmatische – unregelmäßig gekrümmte – Hornhaut können senkrechte Linien besser als waagrechte Linien gesehen werden, die menschliche Silhouette wird auf weite Distanz erkannt.
Betrachten wir zunächst die Schafe. Sie stammen anscheinend aus einer Ursprungsregion im nördlichen Afrika und Vorderasien, von der aus sie sich in verschiedenen Formen über Mittelasien ausdehnten. Die Besiedlung Nordamerikas geschah über die früher bestehende Landbrücke in der Behringstraße zwischen Sibirien und Alaska. Zwischen 37 und 40 Arten von Schafen werden heute beschrieben. Erst mit der politischen Öffnung der UdSSR und teilweise Rotchinas wird es möglich sein, die dort lebenden Schafarten zu untersuchen und einzuordnen.
Die amerikanischen Schafe leben in oder bei felsigem Gelände und sind gute Kletterer. Üblich ist ein Lamm, nur 30 – 70 Prozent der fortpflanzungsfähigen Schafe führen ein Lamm.
Asiatische Schafe lieben offene, hügelige Berge, im Fels sind sie meist schwerfällig, in Asien wird die ökologische Nische, Fels, von den Wildziegen besetzt. Meist werden zwei Lämmer gesetzt, immerhin rund 70 Prozent der paarungsfähigen Schafe führen.
Man kann die eurasischen Schafe in ihrer Entwicklung aufsteigend vom Mähnenschaf zum Zypern Urial, anatolischem Urial, Elburs Urial, Kara Tau Argali, Pamir Argali zum Altai Argali einordnen.
Alle Schafe pflanzen sich in Zoologischen Gärten und auch in freier Wildbahn untereinander fort. Das Mähnenschaf kreuzt sich nur mit Wildziegen, allerdings nur unter besonderen Bedingungen. Von dieser Eigenschaft her zählt dies Zwischenglied eher zu den Wildziegen.
Die Dicke der Haut ist abhängig von der unterschiedlichen Kampftechnik. So ist die Decke bei den Wildschafen besonders stark im Bereich der Stirn, in dem die Kampfstöße der Wider abgefangen werden, während die meisten Wildziegenarten ungezielte Stöße auf die Flanken austeilen und daher einen Rumpfschild von bis zu 22 Millimeter Dicke haben. Die Kampftechnik der Wildschafe ist ritualisiert und zeichnet sich durch steife Körperhaltung, Laufschnellen und Kopf zu Kopf Stöße aus, diejenige der Wildziegen ist sehr unterschiedlich, aber im allgemeinen wird kein festes Ritual eingehalten.

Gruppeneinteilung der Schafe

Für die Wildschafe eignet sich eher eine Einteilung nach sechs Gruppen als nach den rund vierzig Arten.

Ovis musimon – Mufflon mit zwei Unterarten aus Sardinien und Korsika, die weit über Europa verstreut, eingebürgert wurden.

Ovis orientalis – Urial, mit rund dreizehn Unterarten nach Haltenorth, die von Zypern über Kleinasien, Iran, Pakistan, Nordindien bis in die südliche UdSSR leben.

Ovis ammon – Argali mit vermutlich neun Unterarten, deren stärkste im Körperbau das Altai Argali und deren stärkste in der Hornentwicklung das Marco Polo Argali im Himalaya ist.

Ovis nivicola – Schneeschaf aus Sibirien, das eng verwandt mit den amerikanischen “Dünnhornschafen” ist. Vermutlich gibt es drei Unterarten.

Ovis dalli – Dünnhornschaf aus Nordamerika, das in zwei Unterarten eingeteilt wird und in Alaska, dem Yukon, den “Northwest Territories” und im nördlichen “British Columbia” vorkommt.

Ovis canadensis – Bighornschaf, mit sieben Unterarten, die sich vom Zentrum ihrer Evolution, in den westlichen Gebirgsketten der USA, ausbreiteten. Ihr Vorkommen liegt zwischen dem Peace River in Kanada und Nordmexiko sowie bis nach Dakota.

Die amerikanischen Schafe waren bisher am ehesten zu bejagen, lassen wir daher zunächst diese Revue passieren und betrachten einige Merkmale und Charakteristiken der beiden Gruppen, Dünnhorn /Schnee und Dickhornschafe.

Die in Alaska und Kanada vorkommenden Dünnhornschafe sind in zwei Unterarten eingeteilt. Das bekannteste ist O. dalli dalli, das Dallschaf oder auch Alaska Schneeschaf. Es wirkt mit seinem weißen Vlies und den weitgeschwungen, gedrehten Hörnern sehr eindrucksvoll.
In freier Wildbahn werden Widder selten älter als zwölf Jahre, Schafe können ein Lebensalter von 16 Jahren erreichen. Die im Sommer angelegten Feistreserven werden von Widdern während der Brunft gegen Mitte November zum großen Teil verbraucht, bei frühem Wintereinbruch können die älteren Widder diesen Verlust nicht mehr aufholen, die Erhaltungsäsung ist nicht immer gewährleistet, sie verenden.
Ihre Zahl ist mit rund 50.000 in Alaska, 20.000 im Yukon und 8.000 in den North West Territories, sowie einigen Hundert in British Columbia (Zahlen von 1990) relativ hoch, der Schafsjäger wird sicher zunächst auf Dallschafe waidwerken. Die Jagd in den unwirtlichen Bergen Alaskas und Kanadas ist nicht leicht, man muß gut trainiert sein, siehe Fitnesstraining in JAGEN weltweit I/90 S. 28.
Bei den Nordamerikanern geht der geflügelte Spruch um ” Man muß sein Schaf erlegt haben, bevor man dreißig wird “. Dies ist wieder eine der amerikanischen Übertreibungen, ein gut trainierter Fünfzigjähriger kann sehr leicht einem untrainierten Dreißigjährigen überlegen sein.
Die tagaktiven Dünnhornschafe leben in Graslandschaften oberhalb der Baumgrenze in 600 bis 2.500 Meter Höhe bis weit nördlich des Polarkreises. Dabei ziehen sie in kleinen Rudeln, die außerhalb der Brunft nach weiblichen und männlichen Tieren getrennt sind. Wald wird nur auf vorher bekannten Wechseln durchquert, auf denen diese Schafe früher von einem erfahrenen Tier geführt wurden.
Fremde Territorien werden selten besiedelt, die Wanderungen führen in schon früher begangene Gebiete, die weit entfernt sein können. Die Einstände für Sommer und Winteräsung sind unterschiedlich.
Die Widder können zur Brunft sehr weit zu anderen Rudeln wandern. Die Prägung für diese Züge erfolgt in der Jugendzeit, während der sie sich alten Widdern angeschlossen hatten, die den Weg kannten. Die Führerschaft wird durch die Hornlänge entschieden. Der junge Widder folgt dem stärksten Hornträger und lernt so weitere Territorien kennen.
Wie schon ausführlich in JAGEN weltweit 2/90 S.9 dargestellt, liegt der Jagderfolg der obligat geführten ausländischen Jäger bei 87 Prozent in der Brooks und Alaska Range sowie im gesamten Staat Alaska bei 77 Prozent. Fast überall dürfen nur sogenannte “Full curl” Widder erlegt werden, die Hornwindung muß also eine volle Windung betragen. Genaues Ansprechen ist unumgänglich, sonst drohen immer hohe Strafen und Beschlagnahme der Trophäe.
Die Bestimmung ist biologisch sinnvoll, da somit nur alte Widder erlegt werden, die vorher junge Widder zu abgelegenen Äsungsterritorien oder anderen Schafvorkommen zur Brunft geführt haben. Dies trägt zur genetischen Auffrischung der Bestände bei und verhindert eine Degeneration.
Der Zoologe Cowan unterscheidet noch eine andere Unterart des Dünnhornschafs, das O. dalli kenaiensis auf der Kenai Halbinsel. Im äußeren Erscheinungsbild ist das ebenfalls schneeweiße Schaf identisch mit dem Dallschaf, es unterscheidet sich nur durch einige andere Knochenstrukturen im Schädel von ihm.
Dallschaf und Kenaischaf haben dunkle, fast bernsteinfarbene Schläuche. Dominanzkämpfe scheinen wesentlich weniger häufig ausgefochten zu werden als bei Stoneschafen.
Das Körpergewicht liegt bei alten Widdern bei 100 Kilogramm. Das Rekordbuch für nordamerikanisches Großwild ergibt unter den ersten fünfzig Eintragungen eine mittlere Hornlänge von 44,3 inch – 112 Zentimeter bei einem mittleren Umfang von 13,7 inch – 34,8 Zentimeter. Bei Dallschafen sind die Hornspitzen, im Gegensatz zu Bighornschafen, selten abgebrochen.

Die zweite Unterart ist Ovis dalli stonei, das Stoneschaf. Es ist nach seinem Entdecker A. J. Stone aus Montana benannt und fast immer dunkel gefärbt, allerdings kann es auch selten mit weißer Decke vorkommen. Die Färbung variiert von schwarz über silbergrau , dunkel und hellbraun bis weiß. Das Haupt ist heller als der Körper, der Bauch weiß, ebenfalls die Hinterseite der Keulen. Diese weiße Färbung ist ausgedehnter als bei Bighornschafen und verliert sich in höherem Alter, im Gegensatz zu Bighornwiddern, nicht.
Stoneschafe kommen nur in Kanada im Yukon und den “North West Teritories” vor.
Ihre Schläuche sind dunkelbraun getönt und variieren sehr in Länge, Umfang und Auslage. Die Altersringe sind deutlicher sichtbar als bei Bighorn oder Dallschafen, die Enden häufiger abgebrochen.
Die Schädelstruktur besitzt eine größere Hornbasis, einen breiteren und längeren Schädel und schwerere Schläuchen gegenüber Dallschafen. Auch im Körpergewicht scheinen sie stärker als Dallschafe zu sein.
Die durchschnittliche Hornlänge der besten 50 Widder im Trophäenbuch beträgt 43,8 inch – 111 Zentimeter, der durchschnittliche Umfang der ersten 30 Widder 14,5 inch – 38 Zentimeter.

Wildschafe und Wildziegen Teil 2 Die Schafe Asiens :
Sibirische Schneeschafe
Argali
Urial

Nachdem wir nun die amerikanischen Wildschafe besprochen haben, folgen als nächste Verwandte die Unterarten des sibirischen Schneeschafes Ovis nivicola:
“O. nivicola nivicola” im südlichen, eventuell auch nördlichem Teil der Halbinsel Kamchatka
“O.nivicola lydekkeri” im nördlichen Sibirien vom Lena Fluß bis zum Kolymo Gebirge.
“O. nivicola alleni” aus den Stanovoi und Djugdjur Gebirgsketten.
Bisher wurden diese aufgrund vieler Ähnlichkeiten eher den Dünnhornschafen zugerechnet und sind damit den ovis dalli verwandt. Doch durch die rigorose Abschottung des sibirischen Raumes seit den zwanziger Jahren, verschärft noch zu den Zeiten des Kalten Krieges, ist wenig über die sibirischen Schneeschafe bekannt.
In den amerikanischen jagdlichen Publikationen wird euphorisch über das Vorkommen von “sibirischen Bighornschafen” berichtet. Dies sollen die im südlichen Teil von Kamchatka lebenden O. nivicola nivicola sein, die sich durch eine andere Färbung gegenüber den anderen Schneeschafen auszeichnen. Diese Einteilung als asiatische Bighorn erstaunt, galt doch unter Zoologen das Felsengebirge der westlichen USA als Ursprung der Bighornevolution und das Vorkommen der Bighornschafe auf den mittleren, westlichen Teil Nordamerikas begrenzt.

Die Stärke der sibirischen Schneeschafe variiert sehr nach dem Ursprungsort und der Unterart. So berichtet Heptner 1961 von Gewichten bei vier, mehr als sechs Jahre alten Kamchatkawiddern “O. nivicola nivicola” von 86 – 128 kg, während die in den Koryak Hochländern weit nördlich lebende Unterart des “O.nivicola lydekkeri” bei drei, über sechs Jahre alten Widdern nur Gewichte von 70 bis 76 Kilogramm erbrachte.
Die Hornmaße lagen nach den Berichten von Heptner 1961 und Clark 1964 bei dem Kamchatkaschaf o. nivicola nivicola bei einer Länge von 105 – 111 Zentimetern, während der Umfang an der Schneckenbasis 36 37 Zentimeter betrug. Die massive Hornbasis verschmälert sich rasch zum Ende der Schnecken. Insgesamt ähneln sie dem Dallschaf, sind allerdings weniger massig und weiter ausgelegt. Die Hornenden sind nicht abgebrochen, was bei Dall gelegentlich, bei Stone häufig und bei Bighornwiddern in der Regel auftritt.
Ein kapitaler Widder der Unterart “O. nivicola alleni” aus den Stanovoi und Djugdjur Gebirgsketten übertraf nach den Berichten dieser Zoologen in der Trophäenstärke deutlich die Kamchatkaschafe und erreichte die Stärke eines starken Stone Schaf Widders.
Seine Färbung mit reinweißem Bauchfell und breiten, weißen Streifen auf den Vorderläufen ähnelte auch dem Stone Schaf.
Kamchatkaschafe sind ähnlich dem Bighorn auf dem Rücken überwiegend braun gefärbt mit weißer Stirn und weißem Äser. An den Flanken geht die braune Färbung allmählich in das Weiß des Bauchfells über.
Bisher wurden in der UdSSR nur wenige Lizenzen auf der Kamchatka Halbinsel und dem gegenüber auf dem Festland liegenden Magadangebiet auf Schneeschafe ausgestellt. Der Disput, ob das reine Kamchatkaschaf nur südlich des 60. Breitengrades vorkommt, ist unentschieden. Chris Klineburger, der Pionier unter den Jagdfüh
rern, welcher schon mehrfach dorthin Jagden führte, erklärte, daß seine Jäger auch nördlich des 60. Breitengrades echte O. nivicola nivicola erlegten. Der Konkurrent Lloy Zeman von Safari Outfitters, dessen Gruppe von drei Jägern vor 1990 vier Widder, sieben Bären und zwei Elche erlegen konnte, beharrt darauf, daß das echte Kamchatkaschaf nur südlich dieser Linie vorkommt, nördlich wäre schon das Verbreitungsgebiet von O. nivicola alleni. Allerdings übertrieb er anscheinend auch bei der Trophäenstärke.
Insgesamt soll es rund 1.500 bis 2.000 Schafe auf Kamchatka geben.

Die stärksten Wildschafe stammen aus Unterarten der Argali “o.ammon”. Heptner unterscheidet neun Unterarten, Valdez nur sechs:
Ovis ammon poli:
Sagenumwoben ist das Marco Polo Schaf, “o. ammon poli”, so genannt nach seinem Entdecker. Er berichtete von seinen Reisen im dreizehnten Jahrhundert zum ersten Mal von einem riesigen Wildschaf, das er im Zoo des Kaisers von China sah. Seine Zeitgenosen hielten diese Schilderung für Phantasie.
Das Vorkommen ist auf den Pamir und die angrenzenden russischen Hochgebirgszüge des Tienshan begrenzt. Somit leben in Afghanistan, Pakistan, China und der UdSSR Marco Polo Schafe, mit eventuell bis zu 10.000 Tieren in der Sowjetunion. Die Angaben über die Vorkommen sind sehr vage. Von Interesse wären die chinesischen Vorkommen.
Vor der Revolution und russischen Besetzung war Afghanistan das Traumland für den Schafjäger, die Jagd auf das weltweit trophäenstärkste Wildschaf o. ammon poli die Erfüllung seiner Bergjagdwünsche fand im schmalen Pamirkorridor statt.
Die Schnecken werden doppelt so lang wie bei Bighornschafen. Sie erreichen bis zu 186 Zentimeter bei Umfängen an der Basis von 35 – 38 Zentimetern. Das Schädelgewicht mit den Schnecken ist in trockenem Zustand mit rund elf Kilogramm nicht höher als bei Bighornwiddern.
Altaiwidder “o.ammon ammon” hingegen haben bei kürzeren Schnecken wesentlich massivere Strukturen, so wiegt ein Ammonschädel mit 22 Kilogramm fast doppelt soviel. Ebenso steigt das Körpergewicht von Marco Polo Widder zu Altai Widder deutlich von höchstens 160 Kilogramm auf maximal 200 Kilogramm an.
Die Färbung des o. ammon poli ist typisch, der ganze hintere Körper ist hell, andere Argaliformen sind dunkler.
Die Jagden werden von Mitte September bis Mitte Dezember durchgeführt. Die letzte Reisetappe bis in die Basiscamps in rund viertausend Meter Höhe erfolgt mit Hubschraubern. Der Jagderfolg bleibt häufig aus, es besteht nur eine Erfolgschance von 50 Prozent. Die Trophäen scheinen auch nicht so stark zu sein, wie bei den in früheren Zeiten in Afghanistan erlegten Marco Polo Widdern. Einige amerikanische Jäger, die an dieser Pamirjagd teilnahmen, äußern Bedenken, ob diese, in der Trophäe schwächeren Schafe, nicht eher Tienshan Schafe oder Kreuzungen zwischen diesen und dem Marco Polo Schaf sind.
Ovis ammon ammon:
Diese im Körper stärkste Argaliunterart lebt im russischen Altai und in der nordwestlichen Mongolei. Die Vorkommen sind stabil und werden auf rund 15.000 Tiere geschätzt. Die Jagd erfolgt gut organisiert per Pferd und als Pirsch in der Mongolei.
Ovis ammon darwini:
Auch als Gobi Argali bezeichnet, lebt dieses Wildschaf im südlichen Teil der Mongolei in den Bergen der Wüste Gobi und den angrenzenden Gebirgen Chinas. Die mongolischen Bestände werden auf rund 60.000 geschätzt. Es kann ebenfalls unproblematisch in der Mongolei bejagt werden.
Ovis ammon karelini:
In guten Vorkommen ziehen diese Tienshan Argali zwischen dem Pamir und der Mongolei überwiegend in China ihre Fährte. Mit der beginnenden Öffnung Chinas für devisenbringende Reisen kann auf Jagdmöglichkeit in absehbarer Zeit gehofft werden.
Ovis ammon hodgsoni:
Dünn scheinen die Bestände des tibetanischen Argali von Bhutan bis nach Ladakh im Westen im Himalaya zu sein. Da sich das Vorkommen weit nach China hinein erstreckt, ist die tatsächliche Zahl ungewiß. Genaue Angaben fehlen.
Ovis ammon nigrimontana:
Diese isoliert in den Karatau Bergen der UdSSR vorkommende Unterart ist gefährdet, ihre Bestände scheinen sehr gering zu sein.

Die Lebenserwartung der Argali ist länger als bei vielen anderen Wildschafen. So erreichten O.ammon karelini bis zu 12 Jahren. Im Vergleich zu den Argali werden sibirische Schneeschafe bis zu 18 Jahre alt, während turkmenische Urials bei 906 erlegten Tieren nicht älter als acht Jahre wurden und bei weiteren 187 Tieren nur ein Prozent älter als 7 Jahre war.

Zu den asiatischen Wildschafen gehört als letzte Art noch das Urialschaf “ovis orientalis “, wobei Haltenorth rund 13 Unterarten aufzählt.
Die fast ausgestorbenen Wildschafe Zyperns und der Türkei werden von ihm wegen ihrer biologischen Besonderheiten auch dieser Gruppe und nicht wie bei anderen Autoren der Art Mouflon ” ovis musimon ” zugeordnet.
Ihre Schneckenentwicklung geht vom westlichsten Vorkommen auf Zypern bis zum östlichsten Bestand in Turkmenien von einer eher kreisförmigen Schwingung nach hinten über in ein kreisförmig, nach außen gedrehtes Horn mit schraffem lateralem Rand.
Genaue Zahlenangaben fehlen wegen der instabilen politischen Verhältnisse oder unzugänglichen Bergregionen für fast alle Urialschafe.
Auf Zypern lebt noch ein Restbestand
” Ovis orientalis ophion “.

In der Türkei existiert ein geschlossenes Vorkommen des anatolischen Schafes
” Ovis orientalis anatolica ” bei Konya.
Die in den leicht rollenden Hügeln hinter der Gebirgskette des Taurus und Antitaurus lebenden Wildschafe waren in den zwanziger Jahren fast ausgerottet. Ein kleiner Bestand wurde bei Konya in einem 42.000 Hektar großen Schutzgebiet am Bozdag auf mittlerweile gut 700 Tiere herangehegt. Von diesen wurden zwei Widder 1988 freigegeben und auf der Jahrestagung des Safari Club International für 12.500 und 18.500 Dollar versteigert. Wie gering die jagdlichen Anforderungen bei der halbzahmen Population sind, zeigt aussagekräftig das Foto der, mit einer Handfeuerwaffe posierenden glücklichen Erlegerin eines dieser Widder.
Im neuen türkischen Jagdgesetz wurden Wildschafe dem jagdbaren Wild zugeordnet.
Weiterhin leben im Osten der Türkei an der iranischen Grenze verstreut armenische Schafe “Ovis orientalis gmelini”, die sich durch eine rötliche Färbung und fast kreisförmig nach außen und hinten sowie leicht nach unten geschwungene Schnecken auszeichnen. Die Trophäen formen allenfalls einen Halbkreis.
Bis vor zehn Jahren waren diese attraktiven Wildschafe dort noch zahlreich vertreten, die Wirren der iranischen Revolution und unkontrollierte Bejagung beidseits der Grenze ließen ihre Bestände aber im türkischen Teil sehr stark absinken.
Im Iran sind die Bestände in den Wildreservaten intakt mit hohen Zahlen starker Trophäenträger. Außerhalb der überwachten Schutzgebiete scheint die Population in der Nähe der Verkehrswege stark gesunken zu sein.
Das armenische Schaf wiegt rund 60 bis 90 Kilogramm.
Weiterhin unterscheidet man im Iran mehrere Unterarten, die jeweils nach ihren Ursprungsgebieten bezeichnet werden.
“O.orientalis orientalis ” ist das Elburs Urial im gleichnamigen Gebirge. Die schroffe, hohe Gebirgskette zieht sich im Norden am Kaspischen Meer entlang. Die Wildschafe haben geschützte, sichere Einstände und sind in Körpergröße vergleichbar dem armeinischen Schaf, haben allerdings nicht nach hinten sondern nach unten und wieder nach vorn oben geschwungene Schläuche.
Weitere Unterarten leben in Iran verstreut und werden jeweils nach ihrem Vorkommen bezeichnet. Es sind Variationen mit zum Teil unterschiedlicher Färbung, die in Isfahan und Laristan vorkommen.
Daneben existieren noch teils gute Urialbestände in Pakistan ( O. orientalis punjabensis ), in Ladakh ( O. orientalis vignei ), dem Baluchistan genannten Stammesgebiet in Iran, Afghanistan und Pakistan sowie der UdSSR als O. orientalis arkal und O. orientalis severtzowi.
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Schneeziegenbock British Columbia