Survival – Campkocher -Jagen-weltweit 1-1991

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Etwas Warmes braucht der Mensch – Kocher fürs Camp JWW 1-1991
Nun haben wir in den vorigen Ausgaben von “JAGEN weltweit” das wichtigste Zubehör fürs Schlafen besprochen, ein weiterer wichtiger Faktor für ein Camp ist die Auswahl der Ausrüstung für das Kochen.

Camp-Kocher für den Rucksack
Kocher für den Rucksack

Besonders in kalten Regionen ist eine warme Mahlzeit, mindestens aber ein warmes Getränk am Tag zur Aufrechterhaltung der Leistungsbereitschaft von großer Wichtigkeit.
Vorab muß man sich bewußt sein, daß der Grundumsatz des Körpers, also der Energieverbrauch für den eigenen Organismus schon ohne Entwicklung von körperlicher Aktivität sich in der Kälte bis zum doppelten Wert steigert. Das bedeutet auch einen erhöhten Wasserverbrauch für die Stoffwechselvorgänge sowie zum Ausschwemmen der entstehenden harnpflichtigen Abfallsubstanzen mit dem Urin. Dazu kommen die schweißtreibenden körperlichen Aktivitäten in kalten Regionen Märsche oder Steigen im Berg, welche den Energie und Wasserverbrauch stark steigen lassen.
Das Trinken soll am Tag zwar ausreichend geschehen, aber in kleinen Mengen, am besten mit Kohlenhydraten oder salziger Nahrung. Bei übermässiger, plötzlicher Wasseraufnahme kommt es zu einem Flüssigkeitsstoß im Gewebe, welches eine Verringerung des Mineralgehaltes des Gewebswasser bewirken kann.
Der komplizierte Regelmechanismus im menschlichen Körper führt dann sofort zur Wasserausschwemmung über die Nieren mit eventuellem weiterem Mineralienverlust. Ein Effekt, der jedem Bergwanderer, der nur Schnee gegen den Durst aß, bekannt ist.
Viel gepinkelt und noch mehr Durst – ist wegen der fehlenden Elektrolyte im Schnee die logische Konsequenz.
Man muß also etwas essen, um die Flüssigkeit zu binden und im Körper verweilen zu lassen.
Kehrt man nun abends erschöpft ins Zeltlager zurück, ist man zu müde, um noch große Kochorgien zu entfalten. Es zählt nur noch die angemessene Zufuhr an Flüssigkeit, Mineralien und Energie.
Kalte Flüssigkeiten kann man, wenn der Körper eisigen Temperaturen ausgesetzt ist, nur in begrenzter Menge trinken, dann verweigert reflektorisch der Magen seinen Dienst, man hat keinerlei Appetit mehr. Es muß also auch bei kurzfristigen Bergtouren ein Kocher mit. Dieser soll leicht sein, wenig Bedienung erfordern und muß auch bei Minusgraden und Mangel an natürlichem Brennstoff einsatzbereit sein.
Das einfachste Modell ist der Esbitkocher, wie er auch preiswert in Bundeswehrgeschäften angeboten wird. Er ist leicht, und das in Form weißer Minibriketts geformte Esbit kann auch im Flugzeug gefahrlos mitgeführt werden.
Allerdings ist der Brennwert der Trockenspiritusplättchen gering, man benötigt relativ viele zum Erwärmen von Wasser, geschweige denn zum Kochen von Speisen. Der Esbitkocher ist also wirklich nur eine Notlösung für ganz spartanische Jäger, die gelegentlich warme Flüssigkeit haben wollen.
Benzinkocher liefern mit überall erhältlichem Treibstoff große Hitze. Sie funktionierren auch bei Minusgraden und sind sparsam im Verbrauch.
Im Einsatz muß man wegen der Brandgefahr allerdings sorgsam mit ihnen umgehen.
Zum Kochen soll auch nicht normales Autobenzin, sondern gereinigtes Benzin verwendet werden, sonst verstopfen die feinen Düsen schnell. Das Kochen macht dann keinen Spaß mehr. Das wiederum birgt Einkaufsprobleme für das gereinigte Benzin, man bekommt in entlegenen Gegenden nur das schnell rußende Autobenzin, wobei Super noch die bessere Lösung ist. Zur Not muß man die Düsen und den Kocher öfters reinigen.
Am saubersten sind Gaskocher, wobei ein Propan-Butangemisch dem reinen Butangas vorzuziehen ist, da es auch bei Temperaturen unter Null noch brennbereit aus der Düse kommt.
Allerdings ist die Mitnahme von Gaskartuschen im Fluggepäck, obwohl eigentlich kaum gefährlich, verboten.
Der altbewährte Spirituskocher brennt auch bei Minusgraden, notfalls muß der Brenner vorgewärmt werden. Sein Brennstoff ist überall zu bekommen, die Mitnahme im Fluggepäck in entsprechenden Sicherheitsflaschen möglich. Der Brennwert ist deutlich geringer und ab minus 20 Grad wird es problematisch.
Ein bestechende, leichte Alternative für Langzeittouren in einer Wildnis, in der mindestens Büsche vorkommen, ist der Markill Wildniskocher, System Volker Lapp.
Er besteht aus einem Sockel, in dem ein Ventilator untergebracht ist, den eine 1,5 Volt Babyzelle mit Energie beliefert. Die Ventilatorleistung ist über einen Drehknopf steuerbar, wobei durch ein IC Relais der Stromverbrauch ebenfalls unterschiedlich ist. Die Babyzelle ist so über einen sehr langen Zeitraum einsatzfähig. Dies ist ein nicht zu unterschätzender Gewichtsfaktor beim Mitführen von Ersatzbatterien auf längeren Touren.
Auf diesen Sockel mit dem Ventilator wird ein doppelwandiger Brennertopf gesetzt und mit fingerlangen brennbaren Naturstoffen von Ästen, Gräsern bis zu Dung gefüllt. Die vom Ventilator in die Topfwand geblasene Luft wirkt durch kleine Löcher in der Wand nach innen wie ein Blasebalg und erzeugt in kurzer Zeit auch bei
nassem Brennmaterial ein Höllenfeuer. Nachteilig ist das ständige Nachführen von Brennmaterial, man kann die Speisen nicht unbeaufsichtigt vor sich hin kochen lassen.
Wer Zeit hat, kann mit diesem gut hunderzwanzig Mark teurem Kocher einen Mordsspaß haben. Ich mußte damals mehrfach in der Woche zum “Abenteuerausflug” mit meinem achtjährigen Sohn ins Feld und Würstchen grillen, Spaghetti kochen oder einfach nur kokeln.
Für meine Bergtouren nahm ich allerdings einen leichten Gaskocher mit, da man nach ganztägiger Jagd und entsprechender Kletterei im Berg erschöpft ist.
Das Kochen muß schnell gehen und nach dem Anzünden weitgehend unbeaufsichtigt bleiben können, damit man die anderen Arbeiten im Camp verrichten kann.
Hat man sich für eine Technik: Gas-, Benzin- oder Feststoffkocher entschieden, darf man bei der Auswahl der Kocher den leider oft vernachlässigten Aspekt der Sicherheit nicht aus den Augen lassen.
Ein Kocher, der eine kleine Auflage für den Kochtopf hat, wobei dieser auch noch hoch über dem Boden auf schmaler Standfläche der Gaskartusche auf unebenem Boden steht, ist gefährlich. Im günstigsten Fall kippt der erwärmte Inhalt in die “Prärie” und ist samt Inhalt, Zeit und verbrauchtem Gas verloren. Im ungünstigsten Fall können schwerste Verbrennungen die fatale Folge sein.
Meine Wahl nach den Gesichtspunkten Gewicht, Brennstoff und Sicherheit fiel daher bei den Gaskochern auf das Edelrid Modell Scorpion.
Die Stiftung Warentest hat in ihrem Heft “test” 5-1989 einen sehr aussagekräftigen Test über gängige Kocher veröffentlicht.
Bei Wind wird sehr viel Energie nutzlos in die Umgebung entführt, es empfiehlt sich die Mitnahme eines Windschutzes. Zur Not genügt ein federleichter Faltkarton.
Neben Kocher und Brennmaterial ist das mitzuführende Geschirr ein Gewichtsfaktor. Nur bei längeren Wildnistouren mit loderndem Lagerfeuer benötigt man solide Töpfe, die nicht durchbrennen. Schon bei geschickt angelegter Brennstelle mit Holzglut, besonders natürlich bei den anderen Brennstoffen ist ein dünnwandiges, leichtes Kochgeschirr aus Aluminium ausreichend.
Das Bundeswehrkochgeschirr hält Generationen aus und ist entsprechend schwer. Bei Touren mit selber zu tragendem Gepäck zählt jedes Gramm. Stellen Sie vor der Abreise sorgfältig Ihre Ausrüstung zusammen und tragen Sie diese zur Probe. Sie werden sehen, daß allerlei Nutzloses eingepackt war.
Zur Not kann man sich auch mit universell einsetzbarer, schwerer Aluminiumfolie behelfen. Diese wird über die Gabel eines frischen Astes gespannt und kann sehr gut als Pfanne oder als Topf dienen. Beim hoffentlich nach erfolgreicher Jagd stattfindenden Abkochen der Trophäe über einem offenen Feuer im nächsten Dorf kann man mit der soliden Folie die möglicherweise über den Topf ragenden Schläuche vor der verbrennenden Hitze schützen.
Ganz spartanische Jäger mit Minimalgepäck nehmen ein Fertiggericht in der Dose mit und benutzen nach der ersten Mahlzeit die Büchse zum Kochen. Beim Rückmarsch wird sie umweltfreundlich und gewichtssparend vergraben.
Eine leichte Blechschale als Teller ist günstiger als ein Plastikgeschirr, da es kaum brechen kann und leichter zu reinigen ist. Außerdem setzt sich an Plastik leicht Fett und hinterläßt den Geschmack des fettigen Gerichts.
Genauso leicht und nützlich ist die aufgeweitete 330 Milliliter Getränkeblechdose als Trinkbecher.
Auch das Eßbesteck ist ein Gewichtsfaktor, man nimmt am besten nur einen leichten Blechlöffel aus dem Supermarkt mit. Die Gabel kann man sich sparen und das Messer hat man am Gürtel.
Solide Trinkflaschen wiegen unnütz und stören, wertvollen Stauraum beanspruchend, im Rucksack.
Früher hatte ich für Tagestouren in wasserarmer Region ein bis drei 330 Milliliter Fläschchen aus PET Kunststoff dabei. Dieses extrem haltbare Material ist federleicht. Dazu kann man die Miniflaschen gut in den Seitentaschen des Tagesrucksacks unterbringen. Mehrere Flaschen ergeben stabile und federleichte Wasserbehälter zum Nulltarif.

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